"Patientenlied"

Ich wollte nie die Nässe spürn


Ich wollte nie die Nässe spürn,

hab immer mich aufs Klo gesetzt,

von außen wahrte ich den Schein,

und doch war ich so oft durchnässt.


Irgendwo tief in mir,

bin ich kontinent geblieben,

erst dann, wenn ich's nicht mehr halten kann,

weiß ich, es ist für mich zu spät, zu spät, zu spät ...


Unten unterm Hosenbund,

wo alles Leben ewig schweigt,

kann ich noch meine Träume sehn,

wie Luft, die aus der Hose steigt.


Irgendwo tief in mir,

bin ich kontinent geblieben,

erst dann, wenn ich's nicht mehr halten kann,

weiß ich, es ist für mich zu spät, zu spät, zu spät ...




Ich schleiche durch die Dunkelheit,

die volle Blase stört mich nicht,

dann spiel ich mit dem Wasserstrahl,

der silbern sich im Mondlicht bricht.


Irgendwo tief in mir,

bin ich kontinent geblieben,

erst dann, wenn ich's nicht mehr halten kann,

weiß ich, es ist für mich zu spät, zu spät, zu spät ...


© Andreas Stephan


Bild: Pixabay


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Simsen


Im feinsten Lokal, bei Weißwein und Fisch,

sitzt ein Ehepaar schweigend gemeinsam am Tisch.

Man spricht kein Wort, man simst halt nur,

schaut nicht mal auf, auch nicht zur Uhr.


Da simst die Frau ihrem Ehemann,

dass sie kaum noch richtig atmen kann.

„Eine Gräte steckt in meinem Rachen.

Was soll ich tun? Was soll ich machen?“


Er simst zurück an seine Käthe:

„Schick mir ein Bild von dieser Gräte!“

Doch leider klappt das jetzt nicht mehr,

denn plötzlich ist der Akku leer.


So stirbt die Frau am Tisch beim Simsen,

an eine Gräte à la Kabeljau auf Großheider Linsen.

Ihr Mann, der ihren Tod nicht fassen kann,

sucht sie nun bei Facebook und auf Instagram.

Denn dort und auch in anderen Foren,

geht der Mensch ja nicht verloren.


Ich bin zu blöd, ich kann nicht simsen,

ich kann nur eins, einfach nur grinsen.


© Dieter Kauertz


Bild: Montage aus Pexels- und Pixabay-Bildern


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