
Haarige Zeiten
Die Welt der Haare ist enorm,
im Schnitt, in Länge und in Form,
von all den Arten, die wir kennen,
will ich zunächst ein paar nur nennen,
den Pferdeschwanz, den Bubi-Kopf,
den Dutt und den geflocht'nen Zopf,
die Dauerwelle und die Locken,
die langen Haare, um zu rocken,
den Irokesenschnitt der Punker,
ein strenger Kurzhaarschnitt beim Banker,
und viele, viele and’re mehr,
sie zu benennen, ist zu schwer.
Frisuren waren einst im Trend,
die heute kaum noch jemand kennt,
wie Vokuhila, Pagenschnitt,
der Mann von Welt nahm alles mit,
auch Minipli und Rastazöpfe,
die zierten früher Männer-Köpfe.
Dass Frauen ihre Haare lieben,
ist sicher NICHT ganz übertrieben,
und wenn sie mähnengleich bei Damen
ein puppenhaftes Antlitz rahmen,
dann sind die Frauen glatt der “Burner”,
wie damals die Frau Tina Turner,
die kurz berockt und hoch beschuht,
bei einem Auftritt NIEMALS ruht’.
Die Frau galt einst als gut frisiert,
trug sie ihr Haupthaar hoch toupiert,
so täuschte sie des Haares Fülle,
doch diese höchst fragile Hülle
in Strähnen schlaff herunterhing,
wenn's plötzlich an zu regnen fing,
dann stand sie sprichwörtlich fürwahr
wie ein begoss'ner Pudel da.
Erregung steigert sich in Wellen,
wenn sich die Körperhärchen stellen,
womit wir zwar beim Thema wär’n,
doch liegt die “Schlüpfrigkeit” mir fern,
zur Schambehaarung hier zu schreiben,
das lasse ich wohl besser bleiben,
zu diesen höchst intimen Sachen,
könnt ihr euch selbst Gedanken machen.
Empfindest du bei Haarverlust
nur Schamgefühl und tiefen Frust,
und haderst mit des Schicksals Tücke,
greifst du am besten zur Perücke,
dann wirkst du wieder jung und frisch
und attraktiv und jugendlich.
Ein Weib, das setzt verbal Schachmatt,
wenn's Haare auf den Zähnen hat,
womit man oft ein böses Weib,
das Gift und Galle spritzt, beschreibt.
Trägt man als Dame einen Bart,
wirkt das auf viele nicht apart,
es sei denn, man(n) hat mächtig Durst,
dem wär’ dann selbst Conchita wurst.
Die Beatles hatten Pilzkopf-Haare,
dann kam die Zeit der Ha(a)rdrock-Jahre,
man(n) trug das Haar in voller Länge,
zu Luftgitarre “Headgebänge”,
und später dann, im Disco-Fieber,
trug Afrolook-Frisur man(n) lieber,
es folgten Popkultur und Punk,
Rap blieb mir schnuppe, Gott sei Dank!
Ein Haar, das in der Suppe schwimmt,
man gern als Grund zum Nörgeln nimmt,
sucht wer ein Haar in JEDER Suppe,
ist Harmonie ihm völlig schnuppe,
kommt der dann plötzlich in Gefahr,
dann sträubt sich ihm das Nackenhaar,
und wenn die Lage krass entgleist,
beschreibt man sie als haarig meist,
entkommt man ihr um Haaresbreite,
dann sucht man haarscharf schnell das Weite.
Ein Mann, der Haare spalten kann,
ist wohl ein sehr penibler Mann,
bei Frauenhaaren-Spalterei
führt ungeliebter Spliss zum Schrei,
ansonsten wachsen Haare still,
auch dort, wo man sie oft nicht will,
wenn sie aus Ohr und Nase schießen,
statt zierlich auf dem Kopf zu sprießen,
auch Achselhaare sind verpönt,
da ist man heute sehr verwöhnt.
Haarsträubend sind Geschichten dann,
wenn man sie fast nicht glauben kann,
sorgt Haarausfall für kahle Stellen,
dann muss man sie auf Dauer wellen,
Haar wird gewaschen und gekämmt,
gezupft, geschnitten, abgeflämmt,
toupiert, gefärbt, gegelt, getönt,
gescheitelt und adrett geföhnt,
wenn keins mehr wächst, dann wird poliert,
wächst's im Gesicht, wird es rasiert,
und wenn am Morgen es mal eilt,
wird wildes Frauenhaar gestylt,
mit Haarband oder einer -spange,
das hält und dauert auch nicht lange.
Schon nach dem ersten Satz war klar,
heut ging es mir mal um das Haar,
darüber könnt’ man Bücher schreiben,
doch keine Angst, ich lass’ es bleiben!
© Klaus Dattner, 2026
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