Das Kräuterweib im Birkenwald!

 

Im Birkenwald, wo Nebel kriechen

und alle Bäume endlos sprießen,

wo Pilze stehn im Nebelgrau,

wohnt eine Frau, sehr alt und schlau.

 

Man nennt sie nur das Kräuterweib,

verknittert wie ein Birkenzweig.

Ihr Rücken krumm, ihr Haar schneeweiß,

der Blick so trüb wie Nebel und Eis.

 

Sie sammelt Wurzeln, Kräuter und Moos,

denn der Bedarf ist stets recht groß.

Kennt jedes Blatt, kennt jeden Weg,

egal, wie auch der Wind sich dreht.

 

Im Dorf meidet man ihren Namen,

doch bringt man heimlich ihr auch Gaben.

Ist jemand krank, geht man zu ihr

und hofft, sie kann auch heilen hier.

 

Die Kinder sagen: Sie ist verhext!

Die Alten meinen: Sie schützt uns stets.

Hat einer Fieber, Angst oder Gicht,

geht man zu ihr mit Zuversicht.

 

Sie redet wenig, murmelt leise

in einer längst vergessenen Weise.

Und wer ihr hilft, kriegt Kräutertee

und viele Tipps, für manches Weh.

 

Das Kräuterweib rührt im Topf aus Stein

im Nebelgrau ganz allein.

Ihr Steinkessel brodelt Tag und Nacht,

darin wird Tee für manches Leiden gemacht.

 

So manchen ist sie nicht geheuer.

Im Dickicht sitzt sie still am Feuer.

Sie murmelt manchen Zauberspruch,

ein Rabe krächzt im Rauchgeruch.

 

Sie ist kein Geist, kein Spukgesicht,

doch lebt sie zwischen Tag und Licht.

Kein Teil der Welt, kein Teil der Norm.

Das Kräuterweib ist gut in Form.

 

© Irmgard Behrend

 

Bild: KI kreiert von C. Hasse

 

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