
Das Teilen
Das Teilen lernte ich schon in meiner jüngsten Kindheit,
das war damals für mich eine Selbstverständlichkeit.
Der 2. Weltkrieg hatte Angst und Schrecken gebracht
und nach dem Krieg viele Familien arm und traurig gemacht.
Gegenseitig versuchten sich Nachbarn beizustehen,
geteilte Trauer war wie ein Miteinandergehen.
Durch die Lebensmittelknappheit teilte man das Essen,
da hat keiner den armen Nachbarn vergessen.
Amerikanische Soldaten bewohnten das Nachbarhaus,
als ein Farbiger rief, lief ich schnell hinaus.
Der gab mir Karamellbonbons, genau vier Stück,
die teilte ich mit meiner Freundin, das war damals Glück.
Es kamen Flüchtlinge, wir nahmen sie auf
und ich musste zum Schlafen den Speicher hinauf.
Wir freundeten uns an, das ist viele Jahre so geblieben
und als sie wegzogen, haben wir uns oft geschrieben.
Im ersten Schuljahr teilte ich täglich mein Frühstücksbrot,
denn meine Freundin hatte keines, sie litten Not.
Dafür half sie mir auch mal bei den großen Zahlen,
ich konnte damals besser als sie bunte Bilder malen.
Von Herzen zu teilen, auch etwas abzugeben,
das förderte die Menschlichkeit in unserem Leben.
Teilen ist ein Band, das uns zusammenhält,
es verbindet viele Länder in unserer Welt.
Über Teilen könnte ich noch viele Kapitel schreiben,
doch das würde langweilig, darum lass ich es bleiben.
© Thea Küch
Bilder: Pixabay
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Der Charme des Dorfes um 1946
Der zweite Weltkrieg war endlich vorbei,
die Menschen fühlten sich wieder lebendig und frei.
3 große Bauern, 15 Nebenerwerbslandwirte
4 Kolonialläden, Bäcker, Metzger, 4 Gasthäuser
Alle Arten von Handwerk
Bürgermeister, Lehrer, Pfarrer, Gendarm
1 Schule: Klasse 1 bis Klasse 8, Abitur im Nachbarort,
5 Junge Frauen waren Dienstmädchen bei den Bauern.
1 Lehrerin lebte im Zölibat, Lehrerinnen durften nicht heiraten.
Viele Vereine: Gesangverein, Sportverein, Feuerwehr,
Fahrradfreunde, Mandolinenverein, Kyffhäuser, Kegelverein.
Die verheirateten Frauen führten:
den Haushalt, die Kindererziehung, Altenbetreuung, Gartenarbeit,
Landwirtschaft, Viehfütterung, Stallarbeit.
In vielen Haushalten wurde im Winter ein Schwein geschlacht‘,
da hat man Wurst für das ganze Jahr gemacht.
Beim Schlachtkohl aß man schon mit Freunden davon,
man hatte Zeit, denn es gab kein Fernsehen und auch kein Telefon,
kein Internet, keine Emails und kein Handy störten den Tageslauf,
aber man machte für Freunde und Nachbarn alle Türen auf.
Die Dorfstraße war für uns Kindern Spielplatz und Schlittenbahn,
weil wir die zwei Autos im Dorf schon von Weitem sahn.
In den Gärten wuchsen Gemüse und bunte Blüten,
ich musste damals auf der Dorfwiese die Gänse hüten.
Der Charme vom Dorfleben ist schon lange vergangen,
jetzt muss man um die Dorfgemeinschaft bangen.
Die Geschäfte von früher sind geschlossen und leer
und Handwerker findest du im Dorf auch nicht mehr.
Ich geh durchs Dorf, die grauen Vorgärten sind aus Stein,
unterwegs treffe ich keinen, ich bin allein.
Die Autos fahren an mir vorbei, jeder hebt die Hand,
doch durch die getönten Scheiben habe ich keinen erkannt.
Da ist noch das Treffen für die Senioren im Generationshaus,
doch viele Senioren wohnen nicht mehr zu Haus.
Die Alte-Zeit-Gedanken vergehen so schnell wie Schaum,
ist das die Wahrheit oder war es nur ein Traum.
© Thea Küch (Text und Bilder)
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